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News vom 25.05.2018
Winzige Teilchen, große Gefahr? Das sollten Sie über Mikroplastik wissen

Zahnpasta, Duschgel, Lebensmittel wie Salz und Wasser: Mehr Produkte, als man denkt, enthalten Mikroplastik. Was bedeutet das für Mensch und Umwelt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Mikroplastik.

Plastik ist ein Problem. Nicht nur, weil es nervt, nach dem Einkaufen erst einmal jedes einzelne Lebensmittel aus einem Multi-Material-Mantel zu wurschteln. Nein, Plastik ist ein echtes Problem, eine Gefahr für Mensch und Planeten.

Die Dimension dieses Problems wurde lange unterschätzt. Vielen Menschen ist bis heute nicht bewusst, dass es nicht allein die Verpackungen ihrer Duschgele, Getränke und Lebensmittel sind, die Kunststoff enthalten, sondern auch die Produkte selbst. Kosmetik, Zahnpasta, Kleidung, Möbel, und sogar Nahrungsmittel: Beinahe in allem, was wir täglich benutzen und konsumieren, stecken kleine Mengen Plastik, sogenanntes Mikroplastik.

1. Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind winzige Kunststoffpartikel, eine einheitliche Definition gibt es jedoch bisher nicht. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beschreibt Mikroplastik als 0,1 Mikrometer bis 5 Millimeter große Teilchen, die aus unterschiedlichen (Kunststoff-)Materialien bestehen und verschieden geformt sein können.

2. Wo kommt Mikroplastik her?

Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik:

  • Primäres Mikroplastik ist Kunststoff, der bereits in Form kleiner Partikel in die Umwelt gelangt. Primäres Mikroplastik stammt unter anderem aus Synthetikkleidung, Kosmetik und Abrieb von Autoreifen (siehe Frage 3).
  • Sekundäres Mikroplastik sind Kunststoffpartikel, die durch den Zerfall größerer Plastikteile (sogenanntem Makroplastik) entstehen. Wenn Flaschen, Tüten, Plastikgeschirr und andere Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangen, zersetzen sie sich mit der Zeit zu immer kleineren Stückchen und schließlich zu Plastikpulver.

Jede Art von Plastik endet also als Mikroplastik. Es wird kleiner und irgendwann für das bloße Auge unsichtbar, verschwindet aber nie ganz. Und das ist das Verheerende: Anders als Naturstoffe wie Holz oder Baumwolle kann Mikroplastik nicht vollständig abgebaut werden. Mikroorganismen beißen sich daran gewissermaßen die Zähne aus.

3. Kosmetik, Kleidung oder Verpackungen: Woher stammt das meiste Mikroplastik?

Von den rund zehn Millionen Tonnen Mikroplastik, die innerhalb eines Jahres in den Meeren landen, stammen etwa

  • acht Millionen Tonnen aus sekundärem Mikroplastik, also aus zerkleinerten Kunststoffabfällen und
  • 1,5 Millionen Tonnen aus primärem Mikroplastik, also Kunststoff, der bereits in Form von winzigen Teilchen in die Umwelt gelangt ist.

Das schätzten Forscher der Weltnaturschutzunion IUCN 2017 in einem Bericht. Laut diesem Bericht ist vor allem Synthetikkleidung ein Problem. Vieles, was wir tragen, besteht zumindest zu einem Teil aus Plastikfasern wie Polyester, Polyamid oder Nylon. Diese sind billiger und pflegeleichter als die meisten Naturmaterialien, allerdings auch schädlicher für die Umwelt: Beim Waschen der Synthetikkleidung lösen sich die Kunstfasern und gelangen ins Abwasser. Da Kläranlagen die winzigen Partikel nicht vollständig abfangen, gelangen sie schließlich ins Meer.

Weitere Quellen von primärem Mikroplastik sind

  • Reifen,
  • städtischer Feinstaub,
  • Straßenmarkierungen,
  • Schiffsbeschichtungen und
  • Kosmetik.

Mit Kosmetik ist nicht nur Make-up gemeint. Vor allem in Peelings, Duschgelen, Zahnpastas und Cremes findet Mikroplastik Verwendung, etwa als Schleifpartikel, Füllstoff oder Bindemittel.

4. Gibt es Produkte ohne Mikroplastik?

Ob eine Zahnpasta, ein Duschgel oder Make-up Mikroplastik enthält, ist für Verbraucher leider nicht so leicht zu erkennen. Denn Mikroplastik hat zahlreiche Namen. Häufige Bezeichnugen sind etwa Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) und Nylon.

Wer keine Lust hat, bei jedem Drogerie-Einkauf zig Inhaltsstofflisten zu studieren, lädt sich am besten die App CodeCheck oder die englischsprachige App Beat the Microbead herunter. Mit dieser kann man den Barcode eines Produkts scannen. Die App zeigt dann an, welche der Inhaltsstoffe möglicherweise bedenklich sind. Darüber hinaus hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine Liste mit Pflegeprodukten zusammengestellt, in denen Mikroplastik steckt.

Diese ist normalerweise frei von Mikroplastik und in der Regel nicht teurer als herkömmliche Kosmetik.

5. Wie schadet Mikroplastik der Umwelt?

Studien haben gezeigt, dass vor allem Meeresbewohner und -anwohner wie Vögel und Robben Mikroplastik zu sich nehmen. Inwieweit die Plastikpartikel der Gesundheit der Tiere und Pflanzen schaden, ist noch nicht ganz geklärt. Die Auswirkungen variieren wohl von Organismus zu Organismus und sind unter anderem von der Größe und dem Stoffwechsel der jeweiligen Tier- oder Pflanzenart abhängig.

Fest steht, dass die Plastikpartikel

  • bei Tieren die Verdauung und Nahrungsaufnahme beeinträchtigen können und
  • viele Kunststoffe giftige Chemikalien und hormonell wirksame Substanzen wie Weichmacher enthalten.

Darüber hinaus weisen Untersuchungen daraufhin, dass Plastikpartikel aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften wie ein Magnet auf bestimmte Schadstoffe wirken, die im Meer vorhanden sind. Die Partikel können wohl zum Beispiel PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) an sich binden. Inwieweit solche mit Schadstoffen beladenen Mikroplastikpartikel für Organismen ein Risiko darstellen, weiß man aber noch nicht.

Übrigens: Mikroplastik gelangt nicht nur in Gewässer, sondern auch in die Atmosphäre. Wissenschaftler befürchten daher, dass es auch Ökosysteme an Land beeinflussen und gefährden könnte. Wenn der Regen die Partikel auf die Erde niederspült, können sie sich etwa an Pflanzen festsetzen und von Tieren aufgenommen werden. Studien legen nahe, dass Mikroplastik genau auf diesem Wege in Honig gelangt ist.

6. Welche Lebensmittel enthalten Mikroplastik?

Mikroplastik kann etwa über Fisch und Meeresfrüchte in die Lebensmittelkette gelangen. Da sich ein Großteil des Mikroplastiks in den oberen Wasserschichten des Meeres befindet, sind vor allem Fischarten betroffen, die sich bevorzugt dort aufhalten. Dazu zählt etwa die Makrele. Flundern und Heringe dagegen, die vor allem am Meeresgrund nach Nahrung suchen, nehmen weniger Mikroplastik zu sich.

Ob und inwieweit sich das Mikroplastik im Körper der Fische verteilt und anreichert, ist unklar. Das Bundesamt für Risikobewertung stellte 2015 in einer Stellungnahme klar: "Der überwiegende Teil der Arbeiten zum Vorkommen von Mikroplastikpartikeln in Fischen und Krustentieren bezieht sich auf Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes der Tiere, welcher bei den meisten Fischen nicht mit verzehrt wird, sodass sich hieraus keine Erkenntnisse über den Gehalt an Mikroplastikpartikeln in Lebensmitteln ergeben."

In einigen Untersuchungen fanden Forscher Mikroplastik in Honig, Zucker und Meersalz. Eine Studie ergab zudem, dass sich in einem Kubikmeter Trinkwasser bis zu 7 Mikroplastikpartikel befinden.

Diese Untersuchungen sind allerdings umstritten. Vor allem an der Auswahl der Proben und den Messmethoden gab es Kritik. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bemängelte unter anderem, dass die Forscher die chemische Zusammensetzung der gefundenen Teilchen nicht genau analysiert hätten. Demnach lässt sich nicht sicher sagen, ob es sich bei den Teilchen tatsächlich um Kunststoff handelte.

7. Ist Mikroplastik eine Gefahr für die menschliche Gesundheit?

Das Bundesumweltministerium sieht aktuell kein Risiko für die menschliche Gesundheit. Auf der Website des Ministeriums heißt es: "Nach gegenwärtigem Wissensstand ist eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen durch die Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über Lebensmittel nicht zu befürchten. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Partikel zum ganz überwiegenden Teil vom Körper wieder ausgeschieden werden."

Der gegenwärtige Wissensstand reicht allerdings nicht aus, um die Gefahr für den Menschen sicher einschätzen zu können. Hierzulande ist für solche Fragen das Bundesinstitut für Risikobewertung zuständig. Und bisher hat die Behörde noch keine klare Bewertung zu diesem Thema abgeben können. Denn dazu müsste sie wissen, wie viel und welche Art von Mikroplastik in deutschen Lebensmitteln enthalten ist. Und dazu gibt es bislang keine verlässlichen Daten. (Mittlerweile arbeiten aber bereits mehrere Forschergruppen in Deutschland daran, bessere Messmethoden für Mikroplastik in Lebensmitteln zu entwickeln.)

Fazit: Tipps für den Alltag

Welche Auswirkungen Mikroplastik auf unsere Gesundheit hat, lässt sich noch nicht genau sagen. Dass die zunehmende Mikroplastik-Verschmutzung der Umwelt schadet und somit unseren Lebensraum gefährdet, ist jedoch klar. Gegensteuern kann jeder – zum Beispiel mit folgenden Maßnahmen:

  • Kaufen Sie bevorzugt Kleidung aus natürlichen Stoffen wie Baumwolle und Wolle.
  • Versuchen Sie, grundsätzlich weniger Plastik zu verbrauchen, zum Beispiel, indem Sie mehrfach verpackte Lebensmittel meiden und Ihre Einkäufe in Stoffbeuteln transportieren.
  • Entsorgen Sie Plastikmüll in die gelbe Tonne und lassen Sie Kunststoffabfälle niemals in der Natur liegen.

Quelle(n):
Online-Informationen des Umweltbundesamtes: www.umweltbundesamt.de (Abrufdatum: 17.5.2018)
Online-Informationen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: www.lgl.bayern.de (Abrufdatum: 17.5.2018)
Bezeichnungen für Mikroplastik in Kosmetika. Online-Informationen der Verbraucherzentrale Hamburg: www.vzhh.de (Stand: April 2017)
Rexroth, A.: Mikroplastik in Lebensmitteln. Ernährung im Fokus, Ausgabe 1-2, S. 10 (2017)
Boucher, J.; Friot, D.: Primary Microplastics in the Oceans: A Global Evaluation of Sources. Online-Publikation der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources: www.iucn.org (2017)
Mikroplastik in Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 013/2015 des Bundesinstituts für Risikobewertung (Stand: 30.4.2015)


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